Bypass-Operation

Eine Bypass-Operation sichert die Blutversorgung des Herzens, indem die Engstellen der Herzkranzgefäße durch verpflanzte Blutgefäße überbrückt werden. Dann kann das Blut durch diese transplantierten Gefäßumgehungen fließen und staut sich nicht mehr vor der Verengung. Für Menschen mit koronarer Herzkrankheit kann die Bypass-Operation eine Behandlungsmöglichkeit sein, die ihnen ein beschwerdearmes Leben ermöglicht, das nicht durch die Erkrankung verkürzt wird.

Wie läuft eine Bypass-Operation ab?

'Bypass' ist das englische Wort für Umgehung. Im Rahmen der Behandlung einer koronaren Herzkrankheit ist damit gemeint, dass verengte oder verschlossene Stellen der Herzkranzgefäße durch verpflanzte körpereigene Gefäße überbrückt werden. Eine Bypass-Operation ist eine Operation am offenen Herzen. Sie wird in spezialisierten herzchirurgischen Abteilungen von Kliniken durchgeführt.
 


Vor dem Einriff steht eine ganze Reihe von Untersuchungen, bei denen die genaue Lage der Verengungen der Herzkranzgefäße ermittelt, die Herzfunktion beurteilt und alle anderen Körperfunktionen getestet werden.
 

Dabei wird auch geprüft, welche Blutgefäße sich für die Überbrückung am besten eignen. Bis vor einiger Zeit nahm man fast immer die Vene, die an der Innenseite der Unterschenkel dicht unter der Haut entlangläuft (Vena saphena magna). Seit sich jedoch gezeigt hat, dass sich etwa die Hälfte der Venenbypässe bereits nach zehn Jahren wieder zugesetzt hat, verwendet man wenn möglich eine innere Brustwandarterie (Arteria thoracica interna). Sie entspringt in der Nähe des Herzens einem Ast der Hauptschlagader und versorgt unter anderem Zwerchfell und Brustbein mit Blut. Abgeleitet von der englischen Bezeichnung für die innere Brustwandarterie 'internal mammarian arteria' sprechen die Ärzte von 'LIMA', wenn sie die linke, und von 'RIMA', wenn sie die rechte innere Brustwandarterie verpflanzen.

Die Entnahme der Blutgefäße schadet dem Körper nicht. Die ursprünglichen Aufgaben dieser Gefäße werden von anderen Gefäßen übernommen.

Während der Patient in tiefer Narkose liegt, bereitet ein Op-Team die Entnahme der Beinvene vor, wenn diese zur Überbrückung dienen soll. Das andere Team durchtrennt das Brustbein und legt das Herz frei. Die Umgehungsgefäße werden so angesetzt, dass sie die Hauptschlagader (Aorta) mit einem Herzkranzgefäß (Koronararterie) so verbinden, dass die Engstelle umgangen wird (aorto-koronarer Bypass). Weisen mehrere Herzkranzgefäße Durchflusshindernisse auf, können mehrere Bypässe gelegt werden.

Bei den meisten Menschen wird das Herz während der Zeit stillgelegt, in der die Chirurgen an ihm arbeiten. Währenddessen übernimmt eine Herz-Lungen-Maschine die Versorgung des Körpers mit sauerstoffreichem Blut (On-Pump-Verfahren). Unter bestimmten Voraussetzungen ist es aber auch möglich, die Operation am schlagenden Herzen durchzuführen. Dann braucht keine Herz-Lungen-Maschine eingesetzt zu werden (Off-Pump-Verfahren).

Nach der Gefäßtransplantation werden die durchtrennten Gewebe genäht, das Brustbein mit Drahtklammern zusammengefügt und letztlich die Hautwunden verschlossen.

Die ersten 24 Stunden, gegebenenfalls auch länger, verbringt der Operierte auf der Intensivstation. Dann wird er in die normale Krankenstation verlegt, von wo er frühestens nach einer Woche entlassen werden kann. Es wird sehr empfohlen, direkt im Anschluss an diesen Krankenhausaufenthalt das Angebot einer Rehabilitationsmaßnahme wahrzunehmen.

Was bedeuten On-Pump und Off-Pump?

Das On-Pump-Verfahren ist die konventionelle Bypass-Operation. Der Eingriff findet am stillgelegten Herzen statt. Dazu muss eine Herz-Lungen- Maschine angeschlossen werden, die den Körper währenddessen mit Sauerstoff versorgt. Das Herz selbst wird sehr stark abgekühlt. In diesem Zustand können seine Gewebe eine gewisse Zeit ohne Sauerstoff auskommen, ohne nennenswerten Schaden zu nehmen.

Mit dem Einsatz der Maschine, die den Kreislauf außerhalb des Körpers gewährleistet, verbindet sich ein Teil der Komplikationen, die nach einer Bypass-Operation auftreten können. Hierzu gehören Einschränkungen der Nieren- und Lungenfunktion und Störungen der Gehirnfunktion. Ferner sind andere Störungen zu erwarten, mit denen der Körper auf den massiven Eingriff in seine Lebensfunktionen reagiert. Der Großteil der Probleme legt sich zwar in den Wochen nach der Operation wieder, doch können sie unter Umständen die Genesung erschweren und verzögern.

Eine geringere Belastung der Operierten wird beim Einsatz der Off-Pump-Technik erwartet. Hierbei arbeiten die Chirurgen am schlagenden Herzen, daher können sie auf den Einsatz der Herz-Lungen-Maschine verzichten. Die Operation selbst kann 'minimal invasiv' durchgeführt werden, also mit Spezialinstrumenten durch einen relativ kleinen Schnitt seitlich zwischen den Rippen. Sie kann aber auch wie sonst am offenen Herzen erfolgen - nur eben ohne Herz-Lungen-Maschine.

Allerdings eignet sich für dieses Verfahren nur etwa jeder Zehnte derjenigen, die eine Bypass-Operation benötigen. Hinzu kommt, dass nur eine relativ kleine Zahl von Herzchirurgen mit dem Off-Pump-Verfahren ausreichend vertraut ist.

Eine Auswertung der Operationsergebnisse zeigt, dass das Off-Pump-Verfahren ebenso wirksam und sicher ist wie das konventionelle Verfahren. Es gibt weder einen Beleg dafür, dass diese Methode der konventionellen überlegen ist, noch dafür, dass sie ihr unterlegen ist.

Was lässt sich mit einer Bypass-Operation erreichen?

Vornehmliches Ziel einer Bypass-Operation ist es, die Lebenszeitverkürzung, die durch die Folgen der koronaren Herzkrankheit zu erwarten ist, nicht eintreten zu lassen. Dieses Ziel lässt sich nachgewiesenermaßen bei den Menschen erreichen, bei denen drei Herzkranzgefäße schwer betroffen und die Herzfunktion bereits eingeschränkt sind.

Die Beschwerden der koronaren Herzkrankheit, also vor allem Brustenge, Atemnot und geringe körperliche Belastbarkeit, lassen sich mit einer Bypass-Operation nachhaltiger bessern als mit einer Ballonaufdehnung. Besondere Vorteile hat die Operation bei jenen Kranken, bei denen mehrere Gefäße betroffen sind und denen Medikamente nicht mehr genügend geholfen haben. Zehn Jahre nach dem Eingriff ist mindestens die Hälfte der Operierten noch frei von Angina-Pectoris-Beschwerden.

Welche Risiken verbinden sich mit einer Bypass-Operation?

Die Bypass-Operation ist ein Eingriff am offenen Herzen. Er wird unter Vollnarkose durchgeführt, meist unter Einsatz einer Herz-Lungen-Maschine und kann gegebenenfalls mehrere Stunden dauern. Die ständigen Verbesserungen im Laufe der Zeit haben die Gefahren dieser Operation deutlich verringert. Dennoch ist eine Bypass-Operation - im Vergleich zu den anderen Behandlungsmöglichkeiten der koronaren Herzkrankheit - die Therapie mit dem größten Risiko. Dementsprechend sorgfältig sollten im Gespräch mit Ärztin oder Arzt die Vor- und Nachteile dieses Eingriffs für den Einzelnen erörtert werden. Und jeder Operationsanwärter sollte sich die Zeit nehmen, die er braucht, um seine Entscheidung zur Zustimmung oder Ablehnung des Eingriffs wirklich sicher treffen zu können.

Bei wem wird eine Bypass-Operation durchgeführt?

Im Behandlungsprogramm für Menschen mit koronarer Herzkrankheit sind die Situationen definiert, für die sicher nachgewiesen ist, dass eine Bypass-Operation vorteilhaft ist.

Das sind zum einen Menschen, deren linkes Herzkranzgefäß zwischen der Stelle, an der es aus der Hauptschlagader entspringt, und der, an der es sich in zwei große Arterien trennt, verengt ist (Hauptstammstenose). Ferner gehören die dazu, bei denen sich drei Herzkranzgefäße zu mehr als der Hälfte zugesetzt haben. Die dritte Gruppe sind Menschen mit zwei betroffenen Herzkranzgefäßen, wobei besonders ein Ast des linken Kranzgefäßes (Ramus interventricularis anterior, RIA) erheblich eingeengt ist. Als Viertes kommen Menschen hinzu, bei denen zwar ein oder zwei Herzkranzgefäße erheblich verengt sind, der vordere Ast des linken Kranzgefäßes aber nicht betroffen ist. Für diese Menschen ist eine Bypass-Operation dann angeraten, wenn sie schon spezielle andere lebensgefährliche Herzkomplikationen hatten.

Mit positiven Auswirkungen auf die Lebenserwartung können auch Menschen rechnen, die zusätzlich zur koronaren Herzkrankheit einen Diabetes aufweisen.

Das Alter an sich stellt für die Operation keine unvermeidliche Grenze mehr dar. Selbst bei Menschen, die älter sind als 75 Jahre, werden Bypass-Operationen immer häufiger erfolgreich durchgeführt, sofern ihre sonstige körperliche Verfassung nicht gegen die Operation spricht.